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Dynam-Reg: wie LSS-Daten die Arbeitsmarktpolitik gestalten 2019-12-05

Am Dienstag 26. November fand beim LSS das Dynam-Reg Kolloquium statt, wo Arbeitsmarktexperten ihre jüngsten Einsichten über die Dynamik am Arbeitsmarkt teilten.

Einzigartige Zahlen

Schon seit seinen frühen Anfängen im Jahr 1945 sammelt das LSS Daten über den Sachstand des Arbeitsmarkts. Diese Daten sind im Laufe der 75 vergangenen Jahre immer ausführlicher geworden. Seit einigen Jahren können dank der LSS-Daten Eigenschaften von Arbeitnehmern, Arbeitgebern und Unternehmen miteinander verknüpft werden.  Dies bedeutet sogar für Europa eine ziemlich einzigartige Lage, die hochwertige Analysen der Dynamik am Arbeitsmarkt ermöglicht. 

Nettogewinn

Das Dynam-Projekt untersucht die Dynamik auf Arbeitgeber-, Arbeitnehmer- und Jobebene.  Dabei bleibt die grundlegende Feststellung, dass die 46.000 im Jahr 2018 geschaffene Nettoarbeitsplätze das Ergebnis von den 217.000 in Start-ups und wachsenden Unternehmen geschaffenen Arbeitsplätzen und den 171.000 in schrumpfenden oder als Arbeitgeber aufgehörten Unternehmen verlorenen Arbeitsplätzen sind.

Die Bewegungen am Arbeitsmarkt sind jedoch noch viel zahlreicher. Bei allen Arbeitgebern zusammen sind im Jahr 2018 nämlich 727 000 neue Arbeitnehmer in den Dienst und zugleich
681 000 Arbeitnehmer aus dem Dienst getreten.  Diese Nettoevolutionen verstecken also viel mehr als man auf den ersten Blick erwarten würde.

Beschäftigungsquote erhöhen

2014 wurden die Regionen für große Teile der Arbeitsmarktpolitik zuständig.  In den Regierungsvereinbarungen der neuen regionalen Regierungen wird eine Erhöhung der Beschäftigungsquote als eins der wichtigsten Ziele eingetragen. Die Regionen stehen dabei vor der Wahl: entweder auf die Schaffung von Arbeitsplätzen innerhalb von Unternehmen (oder Niederlassungen) der eigenen Region (z. B. mit LSS-Ermäßigungen) einsetzen oder die Arbeitssuchenden der eigenen Region unterstützen, damit diese schneller eingestellt werden. 

Um die Job- und Arbeitnehmerdynamik auf regionaler Ebene besser analysieren zu können, nehmen die Regionen am Dynamprojekt, das deshalb auf Dynam-Reg ausgeweitet wurde, teil.  Auch auf regionaler Ebene liegen die Nettoevolutionen nämlicher niedriger als die Zu- und Abnahmen der Beschäftigung auf lokaler Ebene.  Außerdem müssen auf regionaler Ebene nicht nur der Zu- und Abfluss von Arbeitnehmern bei anderen Arbeitgebern in derselben Region, sondern auch die Arbeitnehmer, die beim selben Unternehmen bleiben, aber in einer anderen Region eingestellt werden, berücksichtigt werden.

Schwere Übergänge

Die HIVA (Forschungsinstitut für Arbeit und Gesellschaft) ist noch einen Schritt weiter gegangen. Im Diskurs zur Arbeitslosigkeit liegt der Schwerpunkt nämlich darauf, Arbeitssuchenden einen Arbeitsplatz zu verschaffen. Dabei besteht jedoch die Frage, ob diese Jobs dauerhaft und wirklich ein Weg aus der Arbeitslosigkeit sind.

In ihrer Viona-Studie, die sie auf Antrag der Flämischen Region durchgeführt hat, hat die HIVA untersucht, wo die neubeschäftigten Arbeitnehmer herkamen und ob sie nach ihrer Einstellung im Dienst blieben.  Es hat sich herausgestellt, dass mehr als die Hälfte dieser Arbeitnehmer (56 %) früher bei einem anderen Arbeitgeber beschäftigt waren. Der Anteil der Arbeitssuchenden in den Neubeschäftigungen ist also eher beschränkt (14 %). Sie müssen nämlich mit den Personen konkurrieren, die bereits arbeiten und dadurch mehr Arbeitserfahrung gesammelt haben. 

Auch sind die Jobs, die Arbeitnehmer nach Arbeitslosigkeit oder Inaktivität ausüben, oft kurzer Dauer.  So beginnen Arbeitslose, die die Arbeit aufnehmen, typischerweise in einem Sektor wie dem Hotel- und Gaststättengewerbe oder der Zeitarbeit, wodurch sie sich in einer prekären Situation befinden. Infolgedessen sind sie drei Jahre nach Ihrer Einstellung oft wieder arbeitssuchend oder arbeiten sie in einer schlechter bezahlten Stelle.

Mehr Informationen

Alle Vorträge des Seminars finden Sie auf der Website von Dynam: https://www.dynamstat.be/nl/dynamreg-colloquium2019 (nur auf FR oder NL)

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